Konzept


ZWISCHEN BEARBEITUNG UND RECYCLING ist ein interdisziplinäres, spartenübergreifendes Projekt, welches künstlerische Praxis mit wissenschaftlicher Reflexion verbindet. Es besteht aus einer Sequenz zahlreicher Veranstaltungen, hat im Jänner 09 begonnen und erstreckt sich zunächst bis Ende Juni 09. Fokussiert werden die derzeit vorherrschenden markantesten Symptome in der zeitgenössischen Musik (in all ihren Erscheinungsformen: instrumental/vokal, elektronisch etc.) - und darüber hinaus allgemein in der Kunst: die Intertextualität und Interdisziplinarität im derzeitigen Kunstdenken, das spätestens seit der Mitte des 20. Jahrhunderts eingetretene 'gebrochene' Verhältnis von Tradition und Innovation, die Infrage-Stellung des lange Zeit geltenden geschichtlichen Evolutionsmodells im Sinne von beständigem künstlerischen Fortschritt, das Eindringen des Überkommenen ins Neue, das Neu-Formulierte des Alten im Neuen. In nicht-musikalischer Kunst und Literatur ist diese Orientierung bereits seit geraumer Zeit präsent und ist zugleich Gegenstand einer mittlerweile gelassenen wissenschaftlichen Aufarbeitung bzw. philosophisch/ästhetischen Betrachtung. Eine neue Musik allerdings, die pluralistische oder gar postmoderne Tendenzen in sich trägt, ist noch immer erheblichen Vorbehalten und pejorativen Bewertungen ausgesetzt. Im Mittelpunkt dieses Projektes werden somit adäquate Interpretationen
dieser nicht eben einfachen, weil konnotativ vielfach besetzten Musikrichtungen stehen, sowie die Bewusstmachung ihrer geschichtlichen und ästhetischen Voraussetzungen.

Weiters richtet sich das Projekt an ganz unterschiedliche Zielgruppen, dies innerhalb aber auch außerhalb der Universität für Musik und darstellenden Kunst Wien. Es werden mehrere Universitätsinstitute, Studiengänge und - richtungen eingebunden. Darüber hi naus werden die engen universitären Begrenzungen überschritten durch Miteinbezug von Institutionen und Einrichtungen Wiens ganz unterschiedlicher Art. Das Projekt soll somit in die unterschiedlichsten gesellschaftlich-kulturellen Bereiche hineinwirken.

Die Methodik bei der Gesamtdurchführung des Projekts passt sich dieser besonderen Situation an: So findet nicht nur ein ständiger Wechsel der vermittelnden Personen statt, sondern auch ein solcher der Präsentations- bzw. Vermittlungsformen, der fokussierten Teilthematiken, der Veranstaltungsorte und letztlich der Zielgruppen.

Die Ausführenden sind: Lehrende der Musikuniversität, Angehö rige anderer Institutionen, Lehrende im Musikschulbereich, externe KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen, diverse Ensembles.

Veranstaltungsstätten sind: Universität für Musik und darstellenden Kunst Wien, Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,

Arnold Schönberg Center, 3Raum Anatomietheater, Brut Theater, Stadtkino Wien, Wienbibliothek im Rathaus (Musiksammlung), Bibliothek der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Die bereits seit Anfang 09 laufenden Präsentationsformen sind: Einzelvorträge, Performances, Workshops, künstlerisch- wissenschaftliche Präsentationen, Ausstellungen, pädagogische, künstlerische und interdisziplinäre Teilprojek te.

Ein Internationaler Kongress vom 25.-27. Mai ist das Herzstück des Gesamtprojektes.

Inhaltliche Gliederung: Die wissenschaftlichen und künstlerischen Beiträge bzw. Veranstaltungen können jeweils einer oder mehreren der folgenden 7 Gesichtspunkte/Sektionen zugeordnet werden:

I. Grundsätzliche ästhetische Positionen in den zeitgenössis chen Künsten und deren Interdependenzen.

II. Bearbeitungen und Instrumentationen früherer Musik.

III. Gestalt und Ästhetik der Bearbeitungen von Komponisten der 2. Wiener Schule und deren Umkreis.

IV. Adaption und Integration früherer Musik/Musiksprachen in Kompositionen ab dem 20. Jahrhundert.

V. Aneignungen und assoziative Verfahren unter Einbezug von 'Instrumentalem Theater', Visualisierung und Elektronik.

VI. Aneignungen im Jazz und in Alternativszenen („Subkultur").

VII. Adaption und Aneignung in Musik und Kunst im interkulturellen und transdisziplinären Bereich